Mit Veröffentlichung der finalen Spezifikationen für KerML v1.0, SysML v2.0 und die Systems Modeling API v1.0 läutete die Object Management Group (OMG) eine neue MBSE-Ära ein.

Mit den offiziellen SysMLv2 Spezifikationen stehen die offiziellen Referenzdokumente für die nächste Generation modellbasierter Systementwicklung (MBSE) zur Verfügung. Auch LieberLieber beschäftigt sich schon länger mit dem Thema, nicht zuletzt fließen die neuen Standards auch in die Produktentwicklung für LemonTree 5.0 ein, das Ende Juni 2026 veröffentlicht werden soll.

Die neuen Standards bilden die Grundlage für eine modernisierte, konsistente und interoperable Modellierung – von einem präzisen Fundament (KerML), über die Sprache Systems Modeling Language (SysMLv2) bis hin zur technischen Schnittstelle (Systems Modeling API). Der Schritt war motiviert durch die Einschränkungen der UML, die eine Modellierungssprache für (objektorientierte) Softwaresysteme ist. Außerdem gab es in SysMLv1 Inkonsistenzen in der Semantik und wenig Möglichkeiten für die Weiterverwendung der Modelle bzw. für Automatisierung. Zusätzlich eine API spezifiziert, die es erlaubt, Daten eines SysMLv2 Modells strukturiert abzufragen. Als neues Austauschformat wurde .json festgelegt, was nun endlich zu einer Standardisierung führt und den Austausch zwischen den bisher nicht kompatiblen Systemen in der Modellierung wesentlich erleichtert.

Konzepte der Sprache

SysMLv2 bietet die Möglichkeit folgende Konzepte eines Systems abzubilden:

  • Struktur
  • Verhalten
  • Anforderungen
  • Schnittstellen
  • Parametrik
  • Variabilität

Außerdem beinhaltet die neue Sprache auch die textuelle Notation.

LemonTree – Unterstützung für SysMLv2

LemonTree ist bereits als kommerzielles Diff und Merge Tool global etabliert, allerdings primär für Enterprise Architect UML / SysMLv1 Modelle. Für SysMLv2 unterstützt LemonTree auf Basis des neuen Standards die textuelle Notation (.sysml) bzw. das offizielle Austauschformat .json. Es werden daher alle Modellierungstool unterstützt, die ebenfalls den neuen Standard SysMLv2 umsetzen und daher diese Formate anbieten.

Dazu Dr. Konrad Wieland, Geschäftsführer von LieberLieber: „Wir begrüßen die Einführung von SysMLv2, die uns den Datenaustausch mit vielen weiteren Werkzeugen am Modellierungsmarkt ermöglicht. Allerdings möchten wir betonen, dass SysMLv2 Modelle zwar mit rein textuellen Diff und Merge Tools verarbeitet werden können, aber nur LemonTree sicherstellt, dass das Ergebnis konsistent und valide ist.“

LemonTree liest nämlich den gesamten Modellinhalt ein und interpretiert den vollständigen Abhängigkeitsgraphen. Dadurch können Auswirkungen von Änderungen verständlich angezeigt werden. Das ist speziell notwendig, wenn ein komplexer Sachverhalt in einem SysMLv2 Modell definiert ist und eine Änderung einer Definition (part defs) Auswirkung auf viele davon abgeleitete Verwendungen (parts) hat. Philipp Kalenda, Leiter Consulting bei LieberLieber: „Auch wenn das Modell parallel über eine View und den Texteditor bearbeitet wird, geschieht die Zusammenführung bei LemonTree immer über das zugrundeliegende Modell und nicht über einen textuellen Merge.“

Für die erste Preview Version von LemonTree 5.0 Ende Juni 2026 sind folgende Features geplant:

  • Diff und Merge der textuellen Notation (.sysml Files)
  • Diff und Merge des SysMLv2 Austausch Formats (.json)
  • Migration von .sysml nach .json und umgekehrt

In LemonTree wird es möglich sein Impacted Elements, den Modell Tree sowie die textuelle Notation für die Diff Analyse zu verwenden. Eine Darstellung der grafischen Notation ist bereits in Arbeit.

Dr. Konrad Wieland
Geschäftsführer bei LieberLieber

Textuelle Notation vs. Grafische Notation

SysMLv2 bietet mit der textuellen Notation eine neue Möglichkeit, um Modelle zu erstellen, editieren und visualisieren:

Die textuelle Notation ersetzt allerdings nicht die grafische Notation:

Beide Notationen sind gleichwertig und stellen das zugrundeliegende SysMLv2 Modell dar. Toolanbieter verfolgen bei SysMLv2 unterschiedliche Strategien und legen den Fokus auf verschiedene Bearbeitungsmethoden.

Anbieter verfolgen verschiedene Strategien für SysMLv2

Hier eine Auswahl an Anbietern/Open Source Tools, die eine „textual-first Strategy“ verfolgen (Anbieter – Werkzeug):

  • Sensmetry – SysIDE
  • SysGit – SysGit
  • OMG – SysML v2 Pilot Implementation

Im Vergleich dazu eine Auswahl an Anbietern/Open Source Tools die eine „graphical-first Strategy“ verfolgen bzw. bei denen eine (simultane) Bearbeitung beider Notationen für die Zukunft geplant ist:

  • Sparx Systems – Enterprise Architect Trechoro
  • Dassault Systèmes – CATIA Magic / Cameo SysML v2
  • Siemens – Systems Modeler
  • IBM – Rhapsody Systems Engineering
  • Ansys (Synopsys) – System Architecture Modeler
  • Eclipse Foundation – Eclipse SysON

Beide Arten von Werkzeugen bieten darüber hinaus eine Möglichkeit, beide Notationen zu visualisieren, entweder direkt im Tool oder per Export bzw. über die Generierung von Ansichten.

Vorteile der textuellen Notation

Die textuelle Notation ist ein neuer Zugang zur Modellierung, der es erleichtern soll, Personen aus der klassischen Softwareentwicklung in die Modellierung einzubinden. Außerdem erlaubt die textuelle Bearbeitung folgende Use Cases:

  • Generative KI
  • Massenbearbeitung (Trace and Replace)
  • IntelliSense und Syntaxvalidierung

Vorteile der grafischen Notation

Die grafische Notation knüpft an das ursprüngliche Konzept der „visuellen Modellierung“ an,  um komplexe Sachverhalte grafisch darzustellen. Dadurch lassen sich Stakeholder außerhalb der technischen Domäne leichter einbinden. Da die grafische Notation nämlich intuitiver zu lesen ist, wird das Modell leichter als allgemeine Informationsquelle einsetzbar.

    Kombination beider Notationen

    SysMLv2 erlaubt eine flexible Arbeitsweise, bei der beide Notationen simultan verwendet und deren jeweilige Stärken miteinander kombiniert werden. Unabhängig von der gewählten Notation werden im Modell-Repository die Elemente, Relationen und Ansichten strukturiert als graphenbasierte Informationen abgelegt. Der Modellspeicher bietet also die Grundlage für die Zusammenarbeit, den Datenaustausch sowie die Evaluierung und Automatisierung des Modells.

    Versionskontrolle und SysMLv2

    SysMLv2 ermöglicht mit der textuellen Notation und den .sysml Dateien eine Versionskontrolle von SysMLv2 Modellen mit Versionskontrollsystemen wie Git. Hierbei wird jedoch nur eine Ansicht (textuell) des Modells unter Versionskontrolle gestellt und beim Vergleichen, Zusammenführen und der Konflikterkennung berücksichtigt. Die textuelle Notation lässt sich zwar zeilenbasiert interpretiert und vergleichen, dabei werden aber Referenzen, Abhängigkeiten und Querverweise nicht berücksichtigt. Trotz der Ähnlichkeit der textuellen Notation mit herkömmlichem Source Code ist ein SysMLv2 Modell nicht damit gleichzusetzen. Daher wird für die Kollaboration mittels Versionskontrolle ein spezielles Diff- und Merge-Werkzeug (LemonTree) benötigt, dass Modelldaten als solche interpretiert und diese in ihrer Graphenstruktur darstellt (siehe Erläuterungen weiter oben im Text).

    LieberLieber in der SysMLv2 Tool Vendor Liste der OMG: https://www.omg.org/sysml/sysmlv2/sysml-tool/

    Infobox

    SysMLv2: Modell/Text/Grafische Darstellung

    Im Moment liegt in der Community ein starker Fokus auf der textuellen Notation von SysMLv2-Modellen. Diese ist jedoch gleichzusetzen mit der grafischen Notation, welche den Diagrammen aus SysMLv1 gleichzusetzen ist. Der Fokus bei LemonTree liegt auf der modellbasierten Ansicht (Graph = baumartige Ansicht), die aus dem zugrunde liegenden Modell generiert wird. Das bedeutet, der Vergleich der Modelle wird aus dem SysMLv2 Modell anstelle der textuellen Notation berechnet.

    Infobox

    FAQs zu LemonTree SysMLv2

    Muss ich sofort auf SysMLv2 umsteigen um LemonTree zu verwenden?
    Nein, LemonTree bietet nach wie vor einen Support von UML / SysMLv1 Modellen an.

    Kann ich SysMLv2 in Kombination mit Git und LemonTree verwenden?
    LemonTree bietet einen 3-Wege Diff und Merge an und kann in gängige Versionskontrollsystem integriert werden. Bei einem Diff und Merge kann aus dem Git Client LemonTree aufgerufen und SysML(v2) Modell übergeben werden. Beim Merge wird das Ergebnismodell in Git zurückgeschrieben.

    Wie können Konflikte aufgelöst werden?
    LemonTree führt, wenn möglich einen automatischen Merge von Modellen durch. Bei Überschneidungen von Änderungen (z.B. der Wert des Attributs „Masse“ ändert sich in zwei Branches) zeigt LemonTree diesen Konflikt an. Über den Merge Preview kann der Konflikt bearbeitet und eine damit eine Entscheidung getroffen werden, welche Wert in das Merge-Ergebnis übernommen werden soll. 

    Kann ich herkömmliche Prozesse aus der Software-Entwicklung verwenden?
    Da LemonTree rein als Diff und Merge Tool agiert, kann es mit einem beliebigen Git Prozess kombiniert werden. Es kann z.B. mit GitFlow und Pull Request in GitHub gearbeitet werden.

    Welche Modellierungstools unterstützt LemonTree?
    LemonTree ist bereits als kommerzielles Diff und Merge Tool global etabliert, allerdings primär für Enterprise Architect UML / SysMLv1 Modelle. Für SysMLv2 unterstützt LemonTree auf Basis des neuen Standards die textuelle Notation (.sysml) bzw. das offizielle Austauschformat .json. Es werden daher alle Modellierungstool unterstützt, die ebenfalls den neuen Standard SysMLv2 unterstützen und daher diese Formate anbieten.